Neue Wohn- und Arbeitsgebiete stärken den Standort Solothurn

Die Stadt Solothurn treibt die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten für die Gebietsentwicklung Weitblick weiter voran. Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, nimmt im Interview Stellung zur Realisierung und zum Stand des Vorhabens – und zum Mehrwert, den das zukunftsorientierte und wegweisende Projekt für Solothurn schafft.

Andrea Lenggenhager, weshalb braucht die Stadt Solothurn ein Entwicklungsvorhaben im westlichen Teil der Stadt? Was sind die wichtigsten Gründe dafür?

Das Gebiet Weitblick westlich der Westtangente eignet sich aufgrund der gut erschlossenen Lage hervorragend als Entwicklungsgebiet und damit als wichtige Ergänzung zum Stadtkern: Mit der Bahnstation Allmend, zwei Bushaltestellen und dem direkten Anschluss an die Westtangente ist dieses Gebiet sowohl mit dem öffentlichen als auch mit dem Individualverkehr bestens erreichbar.

Die Stadt Solothurn wird in Zukunft mehr Wohnraum benötigen. Der Kanton Solothurn prognostiziert bis 2035 gegenüber 2020 ein Bevölkerungswachstum von rund 25 Prozent. Solothurn als Zentrumsstadt schafft mit dem Gebiet Weitblick ein bedeutendes Angebot für Wohnen und für die Wirtschaft. Die neu entstehenden Wohnungen werden die Anforderungen unterschiedlicher Generationen erfüllen und fortschrittliche Wohnformen ermöglichen. Damit wird ein für die Region wegweisendes Projekt realisiert. Darüber hinaus vervollständigt das Gebiet Weitblick den Stadtkörper: Es wird eine zukunftsgerichtete und konkurrenzfähige städtebauliche Identität geschaffen, indem Zugänge zu einem urbanen Lebensstil an einem bahnhofnahen Ort entstehen, die auch zu Fuss und mit dem Velo gut erreichbar sind.

Der südliche Teil des Gebiets Weitblick bietet Raum für wirtschaftliches Wachstum: Mit der zentrumsnahen Lage, eigenständigen Versorgungsstrukturen und Begegnungsorten schafft der Weitblick ein ideales Umfeld für lokale und internationale Unternehmen. Zum einen können Stadt und Kanton Solothurn damit ihre Position im Standortwettbewerb bei Neuansiedlungen stärken, zum anderen entsteht auch für bestehende lokale Unternehmen neuer Expansionsraum.

Geplant sind Bauflächen für gemeinnützigen Wohnungsbau. Ist es das Ziel der Stadt, mit dem Weitblick besonders günstigen Wohnraum zu fördern? Was für Quartiere sollen entstehen?

Es ist ein Anliegen der Stadt, mit dem Weitblick ein vielfältiges Wohnangebot bereitzustellen, dazu gehört bezahlbarer Wohnraum – für junge Menschen, Familien sowie Seniorinnen und Senioren. Ebenso soll an guten Lagen Potenzial für gehobenen Wohnraum geschaffen werden.

Ziel ist es, dass der neue Stadtteil ein gemeinschaftliches Leben und Miteinander verschiedener Generationen ermöglicht. So wurde die Gebietsentwicklung Weitblick auch in die Schulplanung miteinbezogen: In der ersten Etappe werden zwei Kindergärten realisiert, ein weiterer wird zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Ebenso wird der demografischen Entwicklung Rechnung getragen: Unterschiedliche Wohnformen für ältere Menschen, allenfalls auch mit entsprechenden Betreuungsangeboten, sollen im Weitblick entstehen.

Per wann kann mit der Vergabe der Grundstücke gerechnet werden?

Die Gebietsentwicklung Weitblick kann realisiert werden, wenn die Gesamtrevision der Ortsplanung (OPR) abgeschlossen ist. Der Gemeinderat hat Ende April 2020 die öffentliche Auflage der OPR beschlossen; schon vorher hat der Kanton die Ortsplanung für rechts- und zweckmässig befunden. Bei der öffentlichen Auflage im Sommer 2020 besteht erneut das Mitspracherecht für die Solothurnerinnen und Solothurner. Wir rechnen aktuell mit der Genehmigung der OPR durch den Regierungsrat frühestens Mitte 2021.

In der Konzeption wird viel Wert auf Altersfragen gelegt. Ebenso wird vom sogenannten Generationenwohnen gesprochen. Was versteht die Stadt darunter?

Der Weitblick bietet die Gelegenheit, neue Wohnformen zu realisieren. Das können einerseits generationendurchmischte Wohneinheiten sein, bei denen hindernisfreie Kleinwohnungen, Gemeinschaftsräume und eine Gemeinschaftsküche vorhanden sind. Andererseits sind Grosswohnungen denkbar, die Wohngemeinschaften verschiedener Generationen ermöglichen und so ideale Voraussetzungen für Nachbarschaftshilfe bieten. Als Ergänzung wäre auch ein Dienstleistungszentrum für ältere Menschen möglich, das Betreuungsangebote, pflegerische Massnahmen sowie Beratung und Unterstützung in Akutsituationen zur Verfügung stellt. Die konkrete Ausgestaltung der Nutzungen ist jedoch abhängig vom jeweiligen Investor.

Wir sprechen jetzt von der ersten Realisierungsetappe. Der Weitblick ermöglicht, dass auch langfristig Bauland zur Verfügung gestellt wird. Damit handelt es sich um ein Projekt, das nachhaltig geplant werden muss. Wann will die Stadt die nächste Etappe realisieren?

Die erste Etappe ist bis ins Jahr 2023 geplant und umfasst unter anderem die Realisierung der Allmend, eines Freiraums für Sport und Unterhaltung. Ab 2024 wird die Naherholungsqualität weiter ausgebaut und der Segetzpark realisiert. Damit wird dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Grünflächen im Stadtgebiet Rechnung getragen. Der Segetzpark wird das Areal massgeblich aufwerten und eine wichtige Verbindung zu den Grünräumen in der Innenstadt schaffen. Er trägt zur Identitätsbildung bei und macht den Weitblick für die Bevölkerung im Gebiet und in der gesamten Stadt noch attraktiver. Denkbar sind dann auch Angebote wie Wohnen oder Arbeiten «am Park». Die Gebietsentwicklung unterliegt einer rollenden Planung – bei entsprechender Nachfrage können weitere Vorhaben früher als momentan vorgesehen ausgelöst werden. Notwendig sind jeweils drei Jahre Vorlaufzeit, damit die Infrastruktur wie Strassen zum entsprechenden Zeitpunkt realisiert sind.

Die Realisierung Weitblick steht in engem Zusammenhang mit der Ortsplanung Solothurn. Wie gliedert sie sich in diese ein?

Das Gebiet Weitblick kann erst dann realisiert werden, wenn die Gesamtrevision der Ortsplanung abgeschlossen ist. Im bisher gültigen Teilzonen- bzw. Nutzungsplan wurde zum einen die gute Erschliessung des Gebiets für den privaten wie auch den öffentlichen Verkehr zu wenig berücksichtigt. Zum anderen entsprechen die bei der Einzonung festgelegten Ausnützungsziffern im Norden des Weitblicks zu wenig einer zeitgemässen, nachhaltigen Stadtgebietsentwicklung, in deren Rahmen die raumplanerischen Ziele in der Schweiz umgesetzt werden müssen.

Die heutigen Nutzungsabsichten basieren auf einer städtebaulichen Analyse, den Erkenntnissen aus Gesprächen mit Interessenten zur Wirtschaftlichkeit und den auf den Standort Solothurn abgestimmten Angebots- und Nachfragepotenzialen. Die Nutzungsdichte wurde im Rahmen der Ortsplanung erhöht, unter Berücksichtigung der angrenzenden Bauzonen.

Wichtig ist auch: Der langfristige Entwicklungshorizont erlaubt es Solothurn, flexibel zu planen und sich laufend an der konkreten Nachfrage zu orientieren. Damit wird gewährleistet, dass Kulturland nicht auf Vorrat verbaut wird, sondern nur dann, wenn ein effektiver Mehrwert für die Stadt und die Bevölkerung erzielt werden kann.

Wachstum bedeutet immer auch mehr Verkehr. Besteht für den Weitblick ein Mobilitätskonzept?

Ja, für das Gebiet Weitblick wurde ein eigenständiges Mobilitätskonzept erarbeitet. Das Mobilitätskonzept ist ein Bestandteil des Rahmengestaltungsplans, der noch vom Gemeinderat verabschiedet werden muss. Ziel dabei ist, die Mobilitätsbedürfnisse bestmöglich zu erfüllen. Durch die optimale Erschliessung direkt an der Bahnhaltestelle Allmend und durch Netze für Busse und den Fuss- und Veloverkehr werden Anreize geschaffen, um das Strassennetz in der Stadt Solothurn durch den Autoverkehr nicht zu überlasten. Grundsätzlich zeichnet sich das Gebiet Weitblick dank der Nähe zum Bahnhof durch eine sehr gute Erreichbarkeit aus. Die Strassenräume werden zu öffentlichen Stadträumen. Diese können attraktiv und sicher gestaltet werden, da der motorisierte Individualverkehr direkt am Gebietsrand abgefangen und in Gemeinschaftstiefgaragen geleitet wird. Für Fussgänger und Velofahrer wird eine sichere Durchwegung mit ausreichend Beschattung und Sitzgelegenheiten realisiert. Oberirdische Parkplätze werden beschränkt und so platziert, dass kein Suchverkehr entsteht.

Um eine Weiterentwicklung der Stadt Solothurn nicht zu behindern, bedarf es aktiver Steuerungsmassnahmen in der Verkehrsplanung. Diese ist flexibel und richtet sich nach der jeweiligen örtlichen Situation. Solothurn hat das Thema Mobilität sowohl im Rahmen der Ortsplanung betrachtet als auch auf der Basis des konkreten Mobilitätskonzepts für das Gebiet Weitblick. Gerade bei den Verkehrsaspekten ist auch der Austausch mit den kantonalen Fachstellen zentral.