Aktuell: Zwischennutzung Weitblick-Henzihof – Interview mit Regula Aepli, Quartierarbeit Solothurn West

Im Gebiet Weitblick soll in den nächsten Jahren ein Quartierzentrum entstehen. Damit diese Entwicklung schrittweise und nach Bedarf erfolgen kann, stellt die Stadt Solothurn der Bevöl­kerung für drei Jahre Teile des Henzihofs und dessen Umgebung für Zwischennutzungen zur Verfügung. Regula Aepli von der Quartierarbeit Solothurn West gibt im Interview Aus­kunft über das Projekt und dessen Ziele.


Regula Aepli, wie muss man sich die Zwischennutzung Weitblick-Henzihof vorstellen?

Scheune, Stallungen und Teile der Umgebung des Henzihofs sollen – wie bereits das Lusthäuschen – für die nächsten drei Jahre zu einem Experimentierort für alle Generationen und Kulturen werden: Sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen können mit eigenem Engagement soziokulturelle Ideen planen, gestalten und umsetzen. Das können z. B. Ausstellungen, Lesungen, Kurse, Workshops, Musikveranstaltungen oder handwerk­liche Kleinwerkstätten sein. Ebenso bieten sich Räumlichkeiten und Umgebung beispielsweise für Spielveranstaltungen und Naturerlebnisse an. Kurz und gut: Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Die Aktivitäten müssen jedoch bezüglich Emissionen quartierverträglich sein.

Welche Funktion und Aufgaben übernimmt dabei die Quartierarbeit Solothurn West?

Die Quartierarbeit Solothurn West ist Ansprechperson und leitet die Betriebsgruppe, die für die Bewilligungen und Koordination der Zwischennutzungen verantwortlich ist. Anwohnende und interessierte Quartierbewohnende, Nutzende, Kulturschaffende sowie die Stadtverwaltung sollen in der Betriebsgruppe vertreten sein. Damit wird gewährleistet, dass die Interessen des Quartiers berücksichtigt sind und die Nutzungen von der Quartierbevölkerung und den Akteuren mitgetragen werden.

Was ist die Rolle der Stadt?

Die Zwischennutzung Weitblick-Henzihof wurde von der Stadt initiiert, wird von ihr begleitet und auch getragen. Die Stadt möchte den dreijährigen Zeitraum nutzen, um das Potenzial der historischen Bausubstanz für einen zukünftigen Quartiertreffpunkt zu testen.

Welche Ziele werden mit der Zwischennutzung verfolgt?

Mit den Bebauungen im Weitblick wird sich die Weststadt markant erweitern, die Bevölkerungsstruktur wird sich vervielfachen. Neben den Chancen, die daraus entstehen, sind gleichzeitig auch Herausforderungen zu bewältigen, um bestehende und neue Wohngebiete zu verbinden sowie den Austausch, gegenseitiges Verständnis, gesellschaftliche Teilhabe, Chancengleichheit und Integration aller Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen und zu fördern. Meines Erachtens bildet ein zukünftiges Quartierzentrum an der Schnittstelle zwischen bestehendem und neuem Quartier eine wichtige Voraussetzung, um diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Mit den vorgesehenen Zwischennutzungen Weitblick-Henzihof kann sich ein solches Quartierzentrum schrittweise und nach Bedarf entwickeln. Ziel ist ebenso, vorhandene Engagements zu erhalten und zu fördern sowie die Bevölkerung in die Realisierung eines Quartierzentrums einzubeziehen.

Welche Möglichkeiten haben Interessierte, um ihre Ideen einzubringen?

Eine erste Möglichkeit bestand am «Brunch der Ideen», der am Sonntag, 30. Juni, von auf dem Areal Weitblick-Henzihof stattfand. Der Anlass bot allen Interessierten die Gelegenheit, Visionen für Nutzungen zu konkretisieren und zusammen mit anderen neue Ideen zu entwickeln. Natürlich können der Betriebsgruppe auch jetzt noch via Quartierarbeit laufend weitere Initiativen und Nutzungsideen eingereicht werden. Eine gut sichtbare Veranstaltungs- und Ideenwand sowie eine Website und Social Media werden kontinuierlich Auskünfte über Veranstaltungen und Initiativen geben. Die Öffentlichkeitsarbeit soll alle Interessierten informieren und weitere Akteure inspirieren.

Zu welchen Betriebszeiten sind die Innen- und Aussenräume des Henzihofs nutzbar?

Das Betriebskonzept definiert die maximalen Nutzungszeiträume. Bei den Innenräumen sind dies Montag bis Donnerstag von 8 bis 22 Uhr, Freitag/Samstag bis 23 Uhr, Sonntag von 9 bis 20 Uhr. Für die Aussenräume gelten dieselben Zeiten, jedoch während der Wintermonate nur bis 22 Uhr. Diese Nutzungszeiten sind als Rahmen zu verstehen. Welche Nutzungen wann und wie lange stattfinden können, entscheidet die Betriebsgruppe. Dabei wird bezüglich der Lärmemissionen die Quartierverträglichkeit berücksichtigt.

Ist es auch möglich, Anlässe durchzuführen, die länger als bis 23 Uhr dauern?

Ja, das ist möglich. Pro Jahr kann die Betriebsgruppe sechs Anlässe bis maximal 0.30 Uhr und weitere sechs Anlässe bis 2 Uhr bewilligen. Voraussetzung dafür ist jedoch auch hier, dass die Lärm­emissionen quartierverträglich sind und die Betriebs­gruppe von der Stadt Solothurn die entsprechende Anlassbewilligung erhält.

Wie steht es mit weiteren Emissionen? Zum Beispiel der Parkplatzsuche im Quartier?

Der Henzihof liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs und der Bushaltestelle Solothurn Allmend. Zudem ist er bequem per Velo oder zu Fuss erreichbar. Die Veranstalter müssen bei allen Anlässen auf diese Erschliessungen hinweisen und kommunizieren, dass keine Besucherparkplätze zur Verfügung stehen. Sie sind auch dafür verantwortlich und müssen entsprechende Massnahmen treffen, damit nicht in den Quartierstrassen parkiert wird.

Was geschieht nach Ablauf der drei Jahre?

Der Henzihof liegt auf dem Baufeld 2 des Gebietes Weitblick. Bevor dieses vergeben wird, hat das Stadtbauamt einen Antrag für die definitive Nutzung zu stellen. Die Zwischennutzungen erfolgen jedoch, ohne ein Präjudiz für eine spätere Nutzung zu schaffen. Sie bieten aber die Möglichkeit, die während rund zehn Jahren entwickelten soziokulturellen Quartieraktivitäten im Infocenter City West weiterzuentwickeln und die Identität mit dem heutigen Quartier zu fördern.


Flyer «Zwischennutzung Weitblick-Henzihof»

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